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Gespräche

„State of their institutions“ – GESPRÄCHSREIHE

“I don’t know what most white people in this country feel. But I can only conclude what they feel from the state of their institutions. I don’t know if white Christians hate Negroes or not, but I know we have a Christian church that is white and a Christian church that is black. I know, as Malcolm X once put it, the most segregated hour in American life is high noon on Sunday,” so sagte James Baldwin 1968 in einer Fernsehsendung, um fortzufahren: “I don’t know whether the labor unions and their bosses really hate me — that doesn’t matter — but I know I’m not in their union. I don’t know whether the real estate lobby has anything against black people, but I know the real estate lobby is keeping me in the ghetto. I don’t know if the board of education hates black people, but I know the textbooks they give my children to read and the schools we have to go to.” Baldwin lenkt hier den Blick weg von individuellen Verhaltensweisen hin zu den Institutionen, Normen und Alltagspraxen, die unser Leben bewusst, aber viel öfter auch unbewusst prägen. Sie sind nicht neutral, sondern traditionell weiß, männlich und heterosexuell gedacht. Wenn wir diese historisch gewachsenen Machtstrukturen keiner Kritik unterziehen, sie nicht neu denken und praktizieren, reproduzieren wir automatisch das System. Deswegen fordert Geoffroy de Lagasnerie in DENKEN IN EINER SCHLECHTEN WELT einen „erweiterten oder gesellschaftlichen erkenntnistheoretischen Blickpunkt“. Das Urteil über eine theoretische oder künstlerische Praxis darf demnach nicht nur auf deren eigenen Kriterien beruhen, sondern muss unter Berücksichtigung des (historischen) Kontexts getroffen werden. Der Wert von Kunst, aber auch von Wissensproduktion im Allgemeinen bemisst sich darin, inwieweit sie an einem emanzipatorischen Unternehmen teilhaben.

 

In einer sich durch den Festivalzeitraum ziehenden Gesprächsreihe werden Machtsysteme wie Bildungseinrichtungen, Polizei oder auch Kulturbetriebe, insbesondere Museen und Festivals, diskutiert und mit Themen aus den im Festival gezeigten Produktionen in Verbindung gesetzt. 

 

 


 

 

"State of their institutions" - On education | 27. Oktober | 15:00 Uhr | Festivalzentrum

Mit gamEdze und gamedZe (Thulile und Asher Gamedze) und Julian Warner | Host: Sophie Becker

Im März 2015 begann an der University of Cape Town (UCT) eine Protestbewegung, die sich anfänglich symbolisch gegen eine Statue des Imperialisten Cecil Rhodes auf dem Campus wandte, im Folgenden dann als #RhodesMustFall tiefgreifende Forderungen zur Dekolonisation der Universitäten stellte. Dazu gehörte, afrikanische Diskurse in den Mittelpunkt der Lehrpläne zu stellen und die immer noch  vorherrschenden westlichen Traditionen nur zu behandeln, soweit sie für die eigenen Erfahrungen relevant sind; aber auch zahlreiche Maßnahmen gegen soziale Ungleichheit. An deutschen (Kunst)hochschulen gibt es seit ein paar Jahren sanfte Bemühungen um mehr Diversität und Inklusion, die Wissensvermittlung an sich aber, die Frage, was im Jahre 2019 warum unterrichtet werden sollte, ist nach wie vor nicht Thema einer öffentlichen Debatte. Muss es auch hier eine Dekolonialisierung geben?

 

Biografie

gamEdze und gamedZe, das sind Thulile und Asher Gamedze: Geschwister, enge Freunde, Co-Denker*innen und Co-Autoren*innen, jeweils wohnhaft in Johannesburg und Kapstadt. Beide arbeiten im Kulturbereich und sind in verschiedenen Kunst-, Bildungs- und politischen Kollektiven aktiv. Sie interessieren sich unter anderem dafür, wie das kolonialistische Bildungsprojekt weiter betrieben wird und wie Theoretiker*innen, Sprecher*innen und andere Denker*innen versuchen, Bildung zurück zu kuratieren, zu ent-kuratieren und zu de-kuratieren, hin zu einer Pädagogik des sozialen Miteinanders – für Verbindung und für Befreiung!

 

Julian Warner arbeitet als freier Kulturanthropologe an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturanthropologie in Göttingen sowie Dramaturg für Oliver Zahns Essay-Performances und Anta Helena Reckes Schwarzkopie von MITTELREICH. Julian Warner ist Co-Herausgeber des Sammelbandes ALLIANZEN — KRITISCHE PRAXIS AN WEISSEN INSTITUTIONEN und arbeitet als Kurator am Künstler*innenhaus Mousonturm (Frankfurt), den Sophiensælen (Berlin) und den Münchner Kammerspielen. Er lehrt und hält Vorträge zu den Bedingungen und Möglichkeiten der anti-rassistischen Reform in den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung.

 

Sophie Becker ist Künstlerische Leiterin des SPIELART Theaterfestivals.


 

 

"State of their institutions" - On feminism | 1. November | 11:00 Uhr | Festivalzentrum

Mit Salma El Tarzi und Amahl Raphael Khouri | Host: Johanna M. Keller

Seit dem Beginn von „Me Too“ im Herbst 2017 hat die feministische Bewegung auch in Deutschland wieder starken Auftrieb erhalten. Während anfänglich der Kampf gegen sexuellen Missbrauch im Mittelpunkt stand, folgte in der Diskussion schnell eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit patriarchalen Strukturen. Kritiker*innen monieren aber gleichzeitig, dass dieser Feminismus oft von weißen Cis-Frauen aus der Mittelschicht bestimmt wird und dass der westliche Blick insbesondere arabische Frauen oft genug auf Klischees beschränkt. (Wie) können unterschiedliche feministische Positionen miteinander in Verbindung gebracht werden? Brauchen, wollen wir eine globale Schwesternschaft, und wie könnte diese aussehen?

 

Biografie

Salma El Tarzi (geb. 1978) ist eine in Kairo lebende Filmemacherin, bildende Künstlerin und Essayistin. Seit ihrem Abschluss am High Institute of Cinema 1999, wo sie Cartoon Animation studierte, hat sie in unterschiedlichen Bereichen der Film- und Fernsehindustrie gearbeitet, einschließlich Regie, Produktion, Synchronisation und Schreiben. Ihr Debüt als Independent-Regisseurin, DO YOU KNOW WHY?, ein Kurzfilm über junge Models, die in der Fernsehwerbung arbeiten, gewann den Rotterdam Arab Film Festival Silver Award. 2013 führte sie bei ihrem ersten abendfüllenden Dokumentarfilm, UNDERGROUND/ON THE SURFACE, der die lokale Subkultur elektronischer Shaabi-Musik (auch bekannt als Mahraganat) untersucht, Regie, und gewann damit im gleichen Jahr den Dubai International Film Festival Preis für die beste Regie. Ebenfalls 2013 begann sie nach einer 14jährigen Pause wieder mit Malen und Zeichnen. Ergebnis war ihre Co-Autorenschaft bei einer nicht-fiktionalen Graphic Novel über institutionelle und gesellschaftliche genderbasierte Gewalt während der ersten Jahre des 2011 begonnenen Aufstandes in Ägypten. Momentan schreibt sie an einer autobiografischen Graphic  Novel, parallel zu einem Forschungsprojekt und einer Videoinstallation über die Darstellung von Begehren und die Normalisierung von Rape Culture im ägyptischen Mainstream-Kino. Der erste Schritt dieses work-in-progress wurde als Teil des vom Goethe-Institut organisierten feministischen Kunst-Festivals TASHEWEESH in Kairo im November 2018 gezeigt.

 

Amahl Raphael Khouri ist eine jordanische queere transgender Dokumentartheater-Dramatikerin und Theatermacherin, die in Berlin lebt. Khouri ist Autorin mehrerer Stücke wie SHE HE ME (Kosmos Theater, Wien 2019), ICH BRAUCHE MEINE RUHE (Festival Politik im Freien Theater, München 2018) und NO MATTER WHERE I GO (Beirut 2014). Khouri ist Mitglied der Climate Change Theater Action und ihr Stück OH, HOW WE LOVED OUR TUNA! wurde im Rahmen der Initiative international gelesen. Khouri war ausgewählte Dramatikerin der Arcola Global Queer Plays (London 2018) und der Lark hotINK international play reading series (New York 2015). Khouri war Mitglied des Lincoln Center Director’s Lab (New York 2013) und erhielt das Rosenthal Emerging Voices Stipendium für Poesie des PEN USA (Los Angeles 2007). Khouris Werke sind in zahlreichen U.S. Journalen veröffentlicht, wie auch in Global Queer Plays (Oberon Books 2018), Skrivena Ljubav (Samizdat 2018) und International Perspectives on Where Performances Leads Queer anthology (Palgrave 2016). Khouris Werk wird desweiteren 2020 in der International Queer Drama Anthology des Neofelis Verlag erscheinen.

 

Johanna M. Keller studierte Internationale Beziehungen in Dresden, Florenz, Berlin und Damaskus. Für das Goethe-Institut arbeitete sie bereits in Syrien, Litauen und Ägypten; seit Anfang 2019 ist sie in der Zentrale in München tätig. Als Leiterin der Kulturarbeit des Goethe-Instituts für den arabischen Raum initiierte sie verschiedene Projekte zu den Themen Gender, Sexualität und Feminismus, so das mehrjährige Projekt TASHWHEESH, das sich mit den blinden Flecken in transnationalen feministischen Debatten beschäftigte und in zwei große Festivals in Kairo und Brüssel mündete. 


 

 

"State of their institutions" - On illness | 1. November | 15:00 Uhr | Festivalzentrum

Mit Maximilian Dorner und Stacy Hardy | Host: Sophie Becker

In ihrem Theaterstück MUSEUM OF LUNGS beziehen Stacy Hardy, Nancy Mounir, Neo Muyanga und Laila Soliman sich unter anderem auf das SPK (The Socialists’ Patients Collective), eine radikale deutsche marxistische Organisation, die in den 1970ern aktiv die Auffassung vertrat, Krankheit sei Protest gegen den Kapitalismus  und sich damit der Schulmedizin als herrschender Klasse entgegen stellte. Unter dem Schlagwort #BehinderungIstRebellion ist der Autor Max Dorner seit geraumer Zeit aktivistisch in München unterwegs. Was heißt es, „krank“ oder „behindert“ zu sein? Ist Krankheit nicht auch Wissen (Havi Carel)? Hat der/die Kranke das Recht, sich dem Gesund-Werden zu verweigern?

 

Biografie

Maximilian Dorner wurde 1973 in München geboren, wo er auch lebt. Er studierte als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes an der Bayerischen Theaterakademie Dramaturgie. Er arbeitete als Literaturlektor und verantwortet sei 2015 im Münchner Kulturreferat das deutschlandweit einzigartige Projekt „Kunst und Inklusion”. Mittlerweile hat er neun Bücher veröffentlicht. Für seinen Debütroman erhielt er den Bayerischen Kunstförderpreis. In allen Publikationen beschäftigt ihn, wie Menschen mit sich und anderen umgehen. Neben seinen sehr persönlichen Sachbüchern stehen je zwei Romane und zwei Reisereportagen. Darüber hinaus engagiert er sich als geschäftsführender Vorstand des Vereins Impulsion – Netzwerk inklusiver Kunst & Kultur e.V. und moderiert auf TV München das Kulturmagazin ANDERE SEITEN.

 

Stacy Hardy, geboren 1973 in Südafrika, ist Schriftstellerin, Dozentin und Wissenschaftlerin. Seit 2008 arbeitet sie für das panafrikanische Journal Chimurenga, dessen Mitherausgeberin sie ist. Ihre Texte wurden vielfach international publiziert, unter anderem in Kanada, Deutschland, Schweden, den USA und Bangladesch. Gemeinsam mit dem Dichter Lesego Rampolokeng publizierte sie ein Libretto. Mit Jaco Bouwer drehte sie den Kurzfilm I LOVE YOU JET LI und war für Text und Performance seines Stückes UNTITLED zuständig. Sie arbeitet regelmäßig mit dem angolischen Komponisten und Musiker Victor Gama an Recherchen und Multimedia-Performances. Eine Kollektion ihrer Kurzgeschichten mit dem Titel BECAUSE THE NIGHT wurde 2015 bei Pocko Books, London veröffentlicht. Zudem ist Stacy Hardy Dozentin für kreatives Schreiben an der Rhodes University in Grahamstown, Südafrika.


 

 

"State of their institutions" - On art spaces | 2. November | 11:00 Uhr | Festivalzentrum

Mit Eva Neklyaeva und Molemo Moiloa | Host: Sophie Becker

Die drängenden Themen unserer Zeit werden in allen künstlerischen Genres oder vermittelt über die Objekte der Kunstgeschichte - Archive, Museumssammlungen - erörtert und diskutiert. Traditionell widmen wir jedoch der Frage, wie sie innerhalb der Strukturen und Kulturen der Institutionen, die diesen Formen der Kunst eine Plattform bieten, zu behandeln wären, kaum Aufmerksamkeit. Deutlich erkennbar wurde das insbesondere in der durch das aktuelle Momentum von #MeToo angeregten Debatte über die Ethik der institutionellen Förderung und ähnliche Themenstellungen. Mit Blick auf afrikanische Museen und europäische Festivals müssen wir uns fragen, welche Schlüsselkomplexe und -strategien zu einem Umdenken angesichts dieser Räume anregen und Potenzial freisetzen können?

 

Biografie

Eva Neklyaeva ist Kuratorin aus Helsinki, die sich mit Fragen der Freiheit auseinandersetzt und sich in ihrer Arbeit der Erforschung dieser Fragestellungen in Performance Art, Politik und Sexualität widmet. Sie war drei Jahre Künstlerische Leiterin des Santarcangelo Festivals. Das 1971 gegründete Festival ist das älteste italienische Festival für zeitgenössische Performancekunst. Zuvor war Eva Neklyaeva unter anderem Leiterin der zeitgenössischen Kunstorganisation Checkpoint Helsinki, des Baltic Circle International Festival für zeitgenössisches Theater und gründete 2014 Wonderlust, ein Festival für diverse und kreative Sexualität, das alljährlich in Helsinki stattfindet. Aktuell arbeitet sie an „WITH PLEASURE – the only art program that will improve your sex life”, als Gastkuratorin des Kulturzentrum Vooruit, Gent.

 

Molemo Moiloa lebt und arbeitet in Johannesburg und beschäftigt sich in unterschiedlichen Funktionen mit der Schnittstelle von kreativer Praxis und der Organisation von Gemeinschaften. Die politische Diskriminierung der südafrikanischen Jugend bildet den Schwerpunkt Moiloas wissenschaftlichen Arbeitens. Sie hat sowohl einen Bachelor of Fine Arts als auch einen Master of Arts in Sozialanthropologie der University of Witwatersrand (Südafrika). Als Teil des Künstler*innenkollektivs MADEYOULOOK erforscht sie alltägliches Denken und dessen Wirkweisen der Wissensproduktion. Bis vor Kurzem war sie Leiterin des Visual Arts Network of South Africa (VANSA).


 

 

"State of their institutions" - Über Polizei und Justiz | 2. November | 15:00 Uhr | Festivalzentrum

Mit Ayşe Güvendiren und Eberhard Schultz | Host: Tunay Önder

Nach dem Tod von Süleyman Taşköprü, gibt der Vater an, zwei Männer gesichtet zu haben, die das Geschäft verließen, und die er eindeutig als Deutsche mit blonden Haaren identifizierte. Die Angabe wurde von der Polizei nicht weiter verfolgt. Ein weiterer Zeuge teilte der Polizei seine Vermutung mit, dass es vielleicht ein Rassist sei, ein Nazi, der Türken und Ausländer hasst. Auch diese Spur wird nicht weiter verfolgt. Die Aussagen der Opfer und Angehörigen der rassistischen Mord- und Anschlagserie des NSU werden von der Polizei entweder nicht ernst oder nur selektiv wahrgenommen. Die Untersuchungsausschüsse und Untersuchungen engagierter Journalist*innen haben immer neue skandalöse Versäumnisse und/oder absichtliche Vertuschungsaktivitäten zu Tage gefördert.  So steht die Causa NSU längst nicht mehr nur für die Todesgefahr, die von rechtsextremen Netzwerken ausgeht, sondern auch für die Gefahr des Institutionellen Rassismus', die in Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden – nach wie vor auch in anderen Fällen von Gewalt gegen Migrant*innen und Geflüchtete - um sich greift.  Beschwichtigungen, Ignoranz gegenüber den Aussagen der Betroffenen, Verdächtigungen, vorurteilsgeladene Ermittlungspraxis bis hin zu rechtsextremen Einstellungen von Behördenmitarbeiter*innen haben das mehr als deutlich vor Augen geführt.

 

Ausgehend von den Erfahrungen aus dem NSU-Skandal und mit Blick auf die aktuelle Debatte um Racial Profiling spricht Tunay Önder mit Eberhard Schultz über die verschiedenen Ausprägungen und Formen von institutionellem Rassismus in Polizei und Justiz. Vor dem Gespräch liest Ayşe Güvendiren aus ihrem aktuellen Theaterstück RECHT(S). ÜBER DAS VERBRECHEN AN MARWA EL-SHERBINI.

 

Biografie

Ayşe Güvendiren, 1988 in Wien geboren, ist in München aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Jura an der Universität Augsburg, sowie Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sie hospitierte an verschiedenen Theaterhäusern, u.a. am Münchner Volkstheater und an den Münchner Kammerspielen. Seit 2017 ist sie Regiestudierende der Otto Falckenberg Schule. Zudem ist sie Stipendiatin der Richard Stury Stiftung.

 

Eberhard Schultz streitet seit vier Jahrzehnten als engagierter Rechtsanwalt und Menschenrechtler für seine MandantInnen und gegen Menschenrechtsverletzungen. Er ist Vorstandsmitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte und Gründer und Vorstandsmitglied der Eberhard-Schultz-Stiftung für soziale Menschenrechte und Partizipation. 2018 veröffentlichte er sein Buch FEINDBILD ISLAM UND INSTITUTIONELLER RASSISMUS - MENSCHENRECHTSARBEIT IN ZEITEN VON MIGRATION UND ANTI-TERRORISMUS im VSA Verlag. 

 

Tunay Önder arbeitet als freie Autorin, Kuratorin und Beraterin. Nach dem Studium der Soziologie und Politikwissenschaft gründete sie zusammen mit Imad Mustafa den Blog Migrantenstadl, das sie seither als Archiv für Buchpublikationen, Installationen und Performative Arbeiten nutzt. Seit 2010 ist sie an verschiedenen Theaterprojekten im Bereich der Recherche, Dramaturgie oder als Autorin beteiligt. 2015 bis 2018 gehörte sie zur Jury für freie Theaterförderung der Stadt München. Im Rahmen des Tribunals NSU-Komplex-Auflösen kuratierte sie in der Spielzeit 2016/2017 die Veranstaltungsreihe Aynwanderunk – Nix Sürük! an den Münchner Kammerspielen. Auf der Wiesbaden Biennale 2018 brachte sie das Migrantenstadl als 10-tägiges Happening in der Außenspielstätte Wartburg auf die Bühne. Seit November 2018 verantwortet sie im Bellevue di Monaco die Veranstaltungsreihe Studio Ö, ein Forum für künstlerisch-aktivistische Positionen aus dem mehrheimischen Almanya.

 


 

 

"State of their institutions" - On rituals | 3. November | 13:00 Uhr | Museum 5 Kontinente

Mit Kwaku Afriyie und Nashilongweshipwe Mushaandja | Host: Katharina Fink

Careful! Handle with force: Rituale. Leben sind von Ritualen durchzogen: Konventionen des Schauens, Erfahrens, Annehmens, Nicht-Handelns. Rituale sind oft bestärkende und zementierende Handlungen, dies gilt auch für jene der Schuld und der Trauer. Gegen diese Ent-Wunderung durch das kulturelle Skript helfen neue Rituale, Rituale gegen das Nicht-Staunen, gegen das Gewohnte.  Auf dass, im Sinne von 'serendipity' und Spiel, das Wundern zurückkehre. Denn gegenwärtig sind Institutionen wie kollektive Formen gefragt: Welche Rituale und Nicht-Rituale braucht es, um zu dekolonisieren, somit zu humanisieren? Im Gespräch zwischen Dichter und Musiker Kwaku Afriyie (Kanada/Ghana) und Performance-Künstler Nashilongweshipwe Mushaandja (Namibia) entstehen Ansätze für neue Rituale, die gegen die Logiken der Ent-Wunderungs-Anstalt Gegenwart arbeiten. Die öffnen, konfrontieren und eine Aufteilung der sinnlichen Welt ablehnen. Eine spirituelle Praxis, ein intimes Gespräch. Mit der Präsentation eines Zines des Verlags iwalewabooks zum Thema.

 

Biografie

Kwaku Afriyie ist Singer-Songwriter, Künstler und Autor aus Montreal, Kanada. Seine vielschichtigen musikalischen Einflüsse speisen sich aus dem Experimentieren mit zeitgenössischem R&B, Lyrik, Folk und Elementen afrikanischer Popmusik. Kwakus Durchbruch gelang 2013 mit seinem von der Kritik viel beachteten zweiten Album AFRIYIE. Es präsentiert seine unvergleichlich filigrane Stimme über einem reichen rhythmischen Fundament und eingängigen Melodien, womit er eine neue Art des afrikanischen Alternativ-Pop erschafft. Außerdem arbeitete er mit an der Konzipierung des Kurzfilms und der Multimedia-Installation OCEAN’S APART (2015), komponierte und nahm die Musik für diese auf. Aktuell produziert er eine Musik-getriebene, essayistische Performance, die sich mit den Themen Initiation, Bewältigung, Ritus und Zukunft beschäftigt.

 

Nashilongweshipwe Mushaandja ist Performance-Künstler, Pädagoge und Autor. Seine praktischen Interessen und Forschungsaktivitäten gelten dem Gebiet der verkörperten und räumlichen Archive bei der Entstehung von politischen Bewegungen. Mushaandja ist zudem Doktorand und Künstler am Centre for Theatre, Dance and Performance Studies an der Universität Kapstadt, wo er über Kultur des Widerstands in Katatura, einer  Township in Windhoek, Namibia, forscht.

 

Katharina Fink arbeitet für offene Prozesse in Kunst und Hochschule. Am Iwalewahaus der Universität Bayreuth leitet sie die Bayerische Forschungs- und Informationsstelle – Inklusive Hochschulen und Kultureinrichtungen (BayFinK). Sie organisiert community-kuratierte Festivals wie das Sophiatown Arts Festival in Johannesburg oder das inklusive Literaturfestival Bayreuth blättert. Zusammen mit Nadine Siegert ist sie Gründerin und Verlegerin von iwalewabooks, eines Verlags für Kunst und Diskurs.